Ich bin Jan Winkelhaag aus Hürth und durfte im Rahmen des Jugendlandtags meinen Landtagsabgeordneten Thomas Okos vertreten.
Bei einer Führung am Morgen des 13. Novembers 2025 durch den Nordrheinwestfälischen Landtag durfte ich sogleich auch meinen „Arbeitsplatz“ für die nächsten drei Tage kennenlernen. Vom Donnerstag, den 13.11., bis zum Samstag, den 15.11., sollte hier nämlich nicht der gängige Parlamentsbetrieb vonstattengehen. Vielmehr bekamen über 180 Jugendliche aus NRW die Gelegenheit, anstelle des Abgeordneten ihres Landkreises, in den Arbeitsalltag im höchsten Haus unseres Bundeslandes reinzuschnuppern. Dabei befassten sie sich mit zwei Anträgen, einem kostenlosen Deutschlandticket für Schüler und Studierende und der dauerhaften Einrichtung eines Jugendparlaments. Anstelle unseres Abgeordneten Thomas Okos aus dem Rhein-Erft-Kreis bekam auch Ich diese einmalige Gelegenheit.
Nach meiner Ankunft in Düsseldorf am Donnerstagmorgen ging es für mich auch sogleich über die Rheinkniebrücke, rüber in den Landtag. In der bereits angesprochenen Führung bekam ich dann zumindest einen etwas besseren Überblick über das ansonsten so verwinkelte Gebäude, welches den Plenarsaal als Herzstück der Demokratie in den Mittelpunkt stellt.
Im Anschluss kam ich mit den Mitarbeitern meines Abgeordneten beim Mittagessen in der Landtagskantine in einen lockeren Austausch, bevor sich Thomas Okos selbst Zeit für ein spannendes und aufschlussreiches Gespräch mit mir nahm. Unteranderem bekam ich einen breiten Einblick in seinen politischen Alltag, wobei mir zwar einerseits die enge Taktung, andererseits aber auch die Abwechslung im Alltag eines Politikers bewusst wurde. Nach meiner Rückkehr in die Jugendherberge und eine Zimmereinteilung folgte eine offizielle Begrüßung aller Teilnehmenden durch den Landtagspräsidenten, André Kuper, bevor wir an einem sog. „Demokratietraining“ teilnehmen konnten. Dabei erarbeiteten wir in Kleingruppen unser eigenes Demokratieverständnis und konnten uns auch persönlich austauschen. Ein „Demokratietraining“ mag zwar nicht zum klassischen Alltag eines Landtagsabgeordneten gehören, bildet allerdings mit Sicherheit eine unabdingbare Basis. Am Abend kehrten wir noch einmal zum Landtag zurück, um im Plenum die Präsidentin des Landesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Dauner-Lieb, begrüßen zu dürfen. Nach einer Vorstellung ihrer im Interviewformat durch den Landtagspräsidenten gingen wir dann in eine informative Diskussion mit Frau Dauner-Lieb über. Diese erstreckte sich über Empfehlungen bezüglich des Jura-Studiums bis hin zur Betrachtung der gegenwärtigen politischen Lage Frau Dauner-Liebs.
Den Tag ließen wir gemeinschaftlich mit dem sog. Parlamentsabend in musikalischer Live-Begleitung und bei einem breiten Angebot an gutem Essen ausklingen. Dieser Abend bot mir Gelegenheit mich mit einer Vielzahl engagierter Jugendlicher tiefergehend auszutauschen – auch und gerade überparteilich. Dabei fiel unter uns dann auch der überraschte Satz „Da vorne ist Herbert Reul“. Unter uns Jugendlandtagsabgeordnete mischten sich nämlich neben dem Landtagspräsidenten und der Präsidentin des Landesverfassungsgerichts auch mehrere echte Abgeordnete, wie bspw. NRW-Innenminister Herbert Reul. Somit bot mir dieser Abend weitere vielseitige Gelegenheiten meine politische Erfahrung zu vertiefen.
Nach einem gemeinsamen Frühstück in der Jugendherberge kehrten wir dann gemeinsam am Freitagmorgen in den Landtag zurück, in welchem wir an diesem Tag bis in den späten Abend bleiben würden. Da der Saal der CDU-Fraktion besetzt war und unsere Fraktion aufgrund ihrer Größe keinen anderen belegen konnte, hielten wir unsere erste Fraktionssitzung am Freitagmorgen im Plenarsaal ab. Nach einer kurzen Bewerbungsrede besetzte die Fraktion sämtliche Posten durch eine demokratische Wahl, setzte insbesondere ihren eigenen Vorstand und ihre Vertretung in den Ausschüssen zusammen. Da ich dem Verkehrsausschuss angehörte, bewarb ich mich als Sprecher des Ausschusses und bekam von meiner Fraktion das Vertrauen ausgesprochen, diese Position zu übernehmen. Mit dieser Wahl ging für mich die Gelegenheit einher, in der späteren Debatte im Ausschuss für meine Fraktion das Wort zu führen und unsere abschließenden Ergebnisse aus der Anhörung und der Ausschusssitzung in die Fraktion zurückzumelden. Diese Aufgaben übte Ich begeistert aus.
Nachdem mit der Besetzung der Posten nun alle Formalia abgeschlossen waren und wir alle bei einem gemeinsamen Mittagessen ins Gespräch kamen, ging es nun an die eigentliche Arbeit. So begab sich jeder in die Anhörung zu dem Ausschuss, in welchem er mitarbeitete. Dabei nahmen sich mehrere Experten die Zeit, unseren Fragen Rede und Antwort zu stehen, sodass wir uns eine fundierte Meinung bilden konnten. Auch diese Ergebnisse wurden in unserer Fraktion, welche bereits langsam zu einem echten Team zusammenwuchs, besprochen, ausgewertet und teils auch lebhaft diskutiert.
Danach ging es für mich in eine angeregte Diskussion im Verkehrsausschuss. Denn die Zusammensetzung ausgewählter Vertreter der einzelnen Fraktionen, jeder mit starken Argumenten und Meinungen, ermöglichte die ganz direkte Reaktion auf Redebeiträge und führte so zu teils hitzigen, aber stets sachlichen, verbalen Schlagabtäuschen. Zugegebenermaßen habe ich meine Möglichkeit, für unsere Fraktion in dieser angeregten Diskussion das Wort zu führen, durchaus genossen und leidenschaftlich ausgeübt.
In einer abschließenden Fraktionssitzung bis in den späten Abend hinein wurden die Empfehlungen der einzelnen Ausschüsse besprochen, die Position der Fraktion in einer Abstimmung entschieden und die Redner für die große Plenarsitzung am Samstag festgelegt. Auch wenn am darauffolgenden Samstag jeder Redner allein am Rednerpult stehen sollte, haben wir an diesem Freitagabend in der Jugendherberge bewiesen, dass Politik doch auch Teamarbeit ist. So wurden die Reden der einzelnen Redner gemeinsam in kleinen Grüppchen, verteilt über einzelne Tische durch die ganze Jugendherberge, geschrieben. Parallel ging unser Fraktionsvorstand von Tisch zu Tisch, fragte die einzelnen Fortschritte ab und unterstützte dort, wo noch Hilfe notwendig war. Entsprechend dieser Gemeinschaftsarbeit viel auch der Applaus unserer Fraktion für die einzelnen Redner in der großen Plenarsitzung am Samstagmorgen, nach einer letzten, abschließenden Fraktionssitzung, aus. Die Plenarsitzung zum Abschluss bleibt natürlich als ein prägendes Highlight besonders im Kopf. Denn auch wenn es sich nicht um eine echte Sitzung des Landtags handelt, hatte ich zweifelsohne ein besonderes Gefühl, als ich in diesen Reihen saß. Insbesondere in dem Moment, in dem man für einen Antrag, mit dem man sich nun auch selbst so lange auseinandergesetzt hat, die Hand hebt oder gegen ihn stimmt, in dem man in die anderen Fraktionen schielt und beobachtet wer wie abstimmt, in dem man gespannt auf die Verkündung des Ergebnisses wartet, wird man sich der Tragweite und Verantwortung bewusst, welche ein solches Amt mit sich bringt.
Im Anschluss ließen wir unsere Zeit im Jugendlandtag mit einer besinnlichen Andacht, wohltuend gegensätzlich zu diesem spannenden, aber eben auch turbulenten Aufenthalt, ausklingen.
Insgesamt blicke ich auf spannende und aufregende drei Tage im Jugendlandtag zurück, welche mir nicht nur einen tiefen Einblick in den Alltag eines Abgeordneten, sondern auch angeregte Unterhaltungen und großartige neue Bekanntschaften ermöglichten.